Jeff Badger`s Kriegskameraden des 2. Weltkrieges
Sie müssen denken, es ist schon seltsam für einen 32-jährigen Mann Kriegskameraden, speziell aus dem 2. Weltkrieg, zu haben. Aber ich habe sie; alle sind Mitglieder der
978. Engineer Maintenance Company, ein Teil des 19. Korps der 9. Armee..
Hier ist meine Geschichte.
Sie ist nicht kurz, aber bitte lesen Sie sie. Ich denke, Sie finden es interessant ......
Hintergrund
Als ich ein Kind war, war mein Großvater mütterlicherseits, Leo Kavanaugh aus Chicago,
so etwas wie ein Held für meinen Bruder und mich. Während wir aufwuchsen, erzählte uns Mutter wunderschöne Geschichten über ihn und er wurde zur Legende in der Badger-Familie.
Leider verstarb er als ich 2 Monate alt war. Ich hatte somit nie die Chance ihm zu begegnen..
Ich erinnere mich daran, wie ich in der Dachkammer saß und einige Fotos von ihm und seinen Kriegskameraden betrachtete. Ich hatte 3 Lieblingsfotos: Ein Bild von ihm und meiner Mutter, gefertigt am Tag seiner Rückkehr wo beide sich zum ersten Mal trafen; ein anderes Foto mit dem Titel „ Ich und Ski in Marseille, Frankreich, 1945“ und eins mit ihm und einem anderen amerikanischen Soldaten (GI), an einem Tisch stehend, ohne Titel.
Ich hatte mich daran gewöhnt stundenlang auf diese Fotos zu starren, jedes Detail absorbierend, und fragte mich allerlei Dinge: wo wurden sie gemacht, wer waren seine Kameraden, was denken sie, wo haben sie gekämpft ....…
Als ich größer wurde stellte ich meiner Mutter immer mehr Fragen zu den Fotos.
Speziell „Wer war ‚Ski’ ?“ und „Warum nannten sie ihn so ?“
Aber alles, an was sich Mutter erinnern konnte, war, dass er „Ski“ genannt wurde weil er aus Polen kam. Sie erinnerte sich auch an „jemanden aus Detroit“ und dass meinem Großvater schlecht wurde, wenn er an den Krieg zurückdachte: „die schreckliche Flussüberquerung“, „die Kälte“, „die Angst“ und „die Leichen im Wasser“.
Außerdem sagte sie, dass sie noch zu jung war, diese Dinge zu beurteilen und ihm mehr Fragen zu stellen, bevor er starb.
Nun liegt es an mir mehr herauszufinden.
Meine Suche
Meine Suche nach Informationen über Großvater`s Kompanie begann relativ einfach: eine Internet-Anfrage über den Namen seiner Einheit, der 978. Engineer Maintenance Company.
Es kam ein Ergebnis zum Vorschein: ein Mann namens Theron Snell, dessen Vater in der 978. war, hatte seine Doktorarbeit über diese Kompanie geschrieben. Ich sandte Theron eine e-mail und er sandte mir die Kopie einer kurzen Geschichte über die 978., von einem der Offiziere nach dem Krieg niedergeschrieben. Diese Geschichte beschrieb ihre Reise durch England, Frankreich, Belgien, Holland, Deutschland, die Philippinen und schließlich durch Japan.
Auf der Rückseite dieser Kopie war der Dienstplan jedes Soldaten, der in der 300-Mann starken Kompanie diente, abgebildet.
Ich betrachtete den Dienstplan, mich fragend wer diese Männer waren, und achtete speziell auf Männer mit polnischen Nachnamen. Ich sah auf die weißen Seiten des Switchboard im Internet und begann die Namen von Männern mit seltenen Nachnamen einzugeben, in der Hoffnung, eine mögliche Übereinstimmung zu finden. Dabei konnte ich einige Ergebnisse erzielen.
Nun, dachte ich mir: Was kann schon geschehen, ich will sehen ob ich einige dieser Männer finden kann. Vielleicht erinnern sie sich an meinen Großvater, vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall können sie mir möglicherweise ein bisschen über die 978. Kompanie erzählen. o:p>
Ich schrieb einen kurzen Brief, in dem ich mich vorstellte, und fragte nach, ob sie mir über ihre Zeit in der 978. Kompanie etwas erzählen könnten: z.B. Erinnerungen, Anekdoten oder sonst etwas. Mir war klar, dass einige Adressen nicht korrekt sein würden – z. B. andere Personen mit dem gleichen Nachnamen – aber auch dass einige zusammenpassen könnten.
Außerdem wusste ich, dass diese Männer heute über 70, wahrscheinlich sogar über 80 oder 90, Jahre alt sind.
Ich hoffte nur, dass es noch nicht zu spät war.
Antworten
Zuerst war ich ein bisschen besorgt. Dachten diese Männer vielleicht ich sei verrückt ? Seit Kriegsende sind 55 Jahre vergangen und es wäre bestimmt keine gute Zeit für sie darüber auch nur das mindeste zu reden. Aber ich glaubte, wenn ich es tue, dann muss ich es jetzt tun. Ich kann nicht noch 30 Jahre warten, denn dann ist es zu spät.
Einige Wochen nachdem ich meine Briefe versandt hatte, erhielt ich die ersten Antworten..
Die Reaktionen waren überwältigend.
Einige der ersten Antworten kamen von Männern der 978. Kompanie, die meinen Großvater nicht kannten, aber sie würdigten mein Interesse. Oftmals hatte ihre eigene Familie nie Fragen über ihre Zeit im Krieg gestellt und auch nie solch ein Interesse daran gezeigt. Die Männer sandten mir Briefe, in denen sie ihre Erfahrungen beschrieben, sie sandten Fotos von sich selbst in Europa während des Krieges, oder Fotos ihrer Freundinnen in den Niederlanden. Durch ihre Briefe und Fotos lernte ich immer mehr über das was die 978. Kompanie während der Krieges tat ---- und wie wichtig und herausragend diese Zeit in ihrem Leben war.
Auch nach 55 Jahren sind die Erinnerungen immer noch stark: Stolz, Schmerzen, Verbitterung, liebevolle Erinnerungen an Kameraden oder schmerzvolle Erinnerungen der Angst – alle hatten Geschichten zu erzählen.
Die 978. war eine Instandhaltungs-Kompanie, die an der Front beschädigte Fahrzeuge, Ausrüstung und Panzer -- oft auch unter Beschuss --- reparierte oder diese hinter die Frontlinien schleppte, sie reparierte und dann wieder an die Front brachte. Ein GI sagte: „Wir hatten es nicht so schlecht wie die Infanterie, aber es war auch kein Honigschlecken.“
Ein jüdischer GI sprach bitterlich über die anhaltenden anti-semitischen höhnischen Bemerkungen, die er nicht von den Deutschen sondern von den eigenen Kameraden erhielt.
Ein Anderer sprach von der bitteren Kälte, von der Angst, nachts auf dunklen Landstraßen mit ausgeschaltetem Licht zu fahren um den deutschen Flugzeugen zu entgehen, von fehlendem Schlaf und der Angst, von Heckschützen erschossen zu werden. Sie alle sprachen sehr freundlich von einer kleinen Stadt im Süden der Niederlande mit dem Namen Spekholzerheide wo sie kurz nach der Befreiung für einen Monat stationiert waren.
Die Einwohner von „Spek“ begrüßten die 978. Kompanie mit offenen Armen und behandelten sie wie Familiemitglieder. Ich erhielt viele Fotos von 978ern mit niederländischen Familien und Freundinnen aus Spekholzerheide.
Nach fünf oder sechs Antworten fand ich jemand der meinen Großvater kannte, George Patrias aus Detroit, Michigan. Wir telefonierten einige Male miteinander und er hatte einige Geschichten zu erzählen - nicht über die Schlachtfelder, aber über „das Durchfahren der französischen Landschaft, die Freude am französischen Wein“. Er erzählte mir: „Ja, Leo rettete mir zweimal das Leben“. Als ich ihn nach den Helden der Schlachtfelder fragte erzählte er mir nichts davon ---- aber von einer Schlägerei in einer Bar in Marseille und einer Messerattacke eines betrunkenen Filipinos in Manila ---- weitere Details konnte ich meiner Mutter nicht erzählen.
Später erhielt ich ein anderes Antwortschreiben von einem Soldaten namens Marvin Mangham aus Waco, Texas.
„Es war wirklich eine Überraschung ihren Brief zu erhalten“ schrieb er „und ich erinnere mich an ihren Großvater, Leo, sehr gut. Einmal teilten wir uns das gleiche Zelt.“Und „Oh, übrigens, auf dem Foto, was sie mir gesandt haben, sehen Sie mich und Leo an einem Tisch stehen“.
Später erhielt ich ein anderes Antwortschreiben von einem Soldaten namens Marvin Mangham aus Waco, Texas.
„Es war wirklich eine Überraschung ihren Brief zu erhalten“ schrieb er „und ich erinnere mich an ihren Großvater, Leo, sehr gut. Einmal teilten wir uns das gleiche Zelt.“Und „Oh, übrigens, auf dem Foto, was sie mir gesandt haben, sehen Sie mich und Leo an einem Tisch stehen“.
Rechts sehen Sie ein Foto von mir und Herrn Mangham während meines Aufenthaltes.
Während meiner Freizeit setzte ich meine Bemühungen fort, weitere Adressen zu finden und versandte weiterhin Briefe. Ich erhielt weiterhin Briefe und Fotos von den Soldaten und besuchte sie auch. Während des Besuches eines Freundes meines Großvaters brach dieser beim Gespräch über den Krieg schockiert zusammen und konnte seine Geschichte nicht zu Ende erzählen. Seine Tochter erzählte mir später, dies wäre nach 55 Jahren das erste Mal gewesen, dass ihr Vater über den Krieg gesprochen habe.
Das schockierte mich. Ich lernte, die Intensität der Emotionen zu schätzen und zu würdigen, wie schmerzhaft die Erinnerungen waren, die sie niemals vergessen konnten - auch nicht nach 55 Jahren..
Ich erhielt aber auch Antworten, die nicht so ermutigend waren: Chester Lenseski – nicht länger wohnhaft unter dieser Adresse; Joseph Jablonnski – verstorben; Edward Jankowski –verstorben. Es schien so als wäre es zu spät den berüchtigten Ski zu finden.
Ich tauschte einige Briefe mit Austin Jack Cable aus Florida. Nach drei oder vier Briefen erhielt ich von ihm ein Schreiben in dem er mir mitteilte, er schätze mein Interesse sehr und er hat gerade ein Gewehr an mich versandt, welches er in Deutschland während des Krieges erhalten hatte. Er sagte, er nahm das Gewehr einem toten Deutschen an der Mariagrube, einem Kohlebergwerk in der Nähe von Aachen, ab. Während der langen Reise über den Pazifik hat jeder dieser Kompanie das Gewehr signiert.
Es kam eine Woche später im Haus meiner Eltern an.
Es ist einer der in meinem Besitz befindlichen Gegenstände, den ich am meisten in Ehren halte.
Schließlich, nachdem einige Zeit vergangen war, wurde meine Korrespondenz weniger und es schien die Zeit gekommen meine Suche zu beenden.
Dann eines Abends, ich war zu Hause in meinem Appartement in Irland, erreichte mich ein Telefonat.
Ich hatte endlich der berüchtigten GI auf dem Foto mit meinem Großvater gefunden. Kein „Ski“ hing an seinem Nachnamen aber trotzdem hatte er einen polnischen Spitznamen.
Während meines letzten Besuches zu Hause hatte ich das Glück, einen Zwischenstopp in Newark, New Jersey, zu haben. Ich arrangierte einen längeren Aufenthalt und konnte so den legendären Ski besuchen.
Ich suchte sein Haus auf. Herr Powasnik und ich tranken ein paar Biere an seinem Küchentisch. Wir sprachen über meinen Großvater und den Krieg – und mehr Eskapaden, die ich aber meiner Mutter nicht erzählen kann.
Auf dem Foto bin ich mit John „Ski“ Powasnik in seinem Wohnzimmer in New Jersey zu sehen.
Herr Powasnik gab mir Fotos von sich. Eines mit ihm und meinem Großvater in Marseille nach dem Krieg; ein Foto mit einer Holländerin, die ihm und meinem Großvater während ihres Aufenthaltes in Spek die Wäsche wusch und ein Foto eines 10jährigen holländischen Mädchens namens Maria Merx, ebenfalls aus Spek, die Ski und meinem Großvater während ihrer Unterbringung im Haus der Familie Merx behilflich war. Sie gab Ski das Foto von ihr als die 978. Kompanie Spekholzerheide in Richtung Deutschland verließ.
Ich habe zu Beginn meiner Recherchen niemals erwartet, dass ich jemals soweit kommen würde geschweige denn, dass ich so viel Antworten erhalten würde. Bis heute habe ich mit mehr als 35 Männern aus Großvaters Kompanie korrespondiert. Ich habe über 300 Fotos der 978. Kompanie gesammelt, nicht zu vergessen das Gewehr. Aber am meisten weiß ich die Briefe und Geschichten zu schätzen.
Egal wie hart jemand sein will, es kann sich keiner vorstellen was es bedeutet, an einem Krieg teilgenommen zu haben. Aber nun kann ich mir vorstellen, was diese Soldaten durchgemacht haben. Ich weiß nun zu schätzen, was sie taten. Ich bin allen wirklich sehr dankbar, dass sie ihre Erfahrungen mit mir teilten.
Aktuell
Es gibt noch so viel mehr an dieser Geschichte was ich hier nicht erzählt habe: Meine Reise nach Deutschland, wo ich die Orte besuchte, an denen die 978. Kompanie stationiert war; mein Besuch des Margraten - Friedhofs in den Niederlanden wo PFC Thomas E. Kulick, ein Kamerad von Ski und meinem Großvater, der am VE-Tag (Victory in Europe day = 08.05.45) starb, beerdigt wurde; meine Fahrt nach Spekholzerheide, wo ich mich mit einem Einheimischen traf und fast alle, von denen damals in Spek Fotos gemacht wurden, angetroffen habe; mein Besuch des Anwesens von Maria Merx, dem jungen Mädchen dass Ski behilflich war, wo ich einen Nachmittagstee mit ihr und ihrer Familie trank usw.
Weil Web-Seiten die Aufmerksamkeit der Leute am besten auf sich ziehen, wenn sie kurz gehalten sind, will ich hier nun enden.
Zum Schluss noch eins: Ich schreibe derzeit ein Buch über meine Suche nach den Kriegskameraden meines Großvaters und hoffe es wird bald veröffentlicht. Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil erzählt meine Geschichte und die Antworten die ich darauf erhielt. Der zweite Teil gibt Anweisungen wie andere das Internet benutzen können um die Kriegsgeschichten und Kriegskameraden ihrer Familienmitglieder zu finden.
Wenn Sie erfolgreich das Gleiche getan haben wie ich würde ich mich gerne mit Ihnen unterhalten welche Methoden Sie angewandt haben. Scheuen Sie sich nicht, mir eine e-mail zu schreiben. Vielen Dank.
b a d g e r j e f f r e y @ h o t m a i l . c
o m
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Jeff
Vielen Dank an Uwe Bergheimer aus Gedern, Deutschland, für die Übersetzung.